Infrarotkabine oder finnische Sauna? Diese Frage höre ich ständig, und die Antwort ist leider nicht so einfach wie „nimm einfach X“. Beide Systeme haben ihre Berechtigung, und welches besser zu dir passt, hängt von deinen Gewohnheiten, deinem Gesundheitszustand und deinem Budget ab.
Ich habe sowohl eine Infrarotkabine als auch eine finnische Sauna über mehrere Monate regelmäßig genutzt und kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Die Unterschiede sind größer, als die meisten Leute denken. Lass mich dir erklären, worauf es ankommt – mit konkreten Produktempfehlungen für beide Varianten.
Die Grundlagen: Was ist der Unterschied?
Bei der finnischen Sauna erhitzt ein Saunaofen die Luft in der Kabine auf 70–100 °C. Dein Körper wird von der heißen Luft erwärmt, und durch Aufgüsse steigt die gefühlte Temperatur nochmal deutlich. Ein klassischer Saunagang dauert 8–15 Minuten, danach folgt die Abkühlung.
Bei der Infrarotkabine strahlen Infrarot-Elemente Wärmestrahlung ab, die direkt in die Haut und das darunterliegende Gewebe eindringt. Die Lufttemperatur bleibt niedrig (35–60 °C), aber du schwitzt trotzdem – teilweise sogar intensiver als in der finnischen Sauna. Sitzungszeiten liegen bei 20–30 Minuten.
Der entscheidende Unterschied: In der finnischen Sauna erwärmt die Luft deinen Körper von außen. In der Infrarotkabine dringt die Wärme direkt in den Körper ein. Das fühlt sich grundlegend anders an – beides angenehm, aber auf verschiedene Weise.
Entscheidungshilfe: Was passt zu dir?
| Kriterium | Infrarotkabine | Finnische Sauna |
|---|---|---|
| Temperatur | 35–60 °C | 70–100 °C |
| Aufheizzeit | 5–10 Minuten | 25–40 Minuten |
| Sitzungsdauer | 20–30 Minuten | 8–15 Minuten (pro Gang) |
| Stromverbrauch | 1–2,5 kW | 6–9 kW |
| Stromanschluss | Normale Steckdose (230 V) | Meist Starkstrom (400 V) |
| Aufguss möglich? | Nein | Ja |
| Kreislaufbelastung | Gering | Mittel bis hoch |
| Platzbedarf | Ab 1 m² (1 Person) | Ab 3 m² (2 Personen) |
| Preisspanne | 800–6.000 € | 1.500–8.000 € |
| Geeignet bei Bluthochdruck | Oft besser verträglich (Rücksprache mit Arzt) | Ärztliche Beratung empfohlen |
Meine Top-Empfehlungen: 2 Infrarotkabinen & 2 Finnische Saunen
Infrarotkabinen
Physiotherm ist der Rolls-Royce unter den Infrarotkabinen – und die MyInfra Duo zeigt warum. Das patentierte Sensocare-System misst deine Körpertemperatur in Echtzeit und reguliert die Strahlerleistung automatisch. Das klingt nach Marketing-Geschwätz, funktioniert aber tatsächlich verblüffend gut. Ich habe mich nach einer Session merklich entspannter gefühlt als bei günstigen IR-Kabinen, und das Schwitzen setzt schneller und gleichmäßiger ein.
- Sensocare-Technologie für personalisierte Wärmedosierung
- Zirbenholz duftet fantastisch und wirkt beruhigend
- Sehr gleichmäßige Tiefenwärme, kein Hitzestau
- Medizinprodukt-Zertifizierung (Klasse IIa)
- Hoher Anschaffungspreis
- Nur über Fachhändler bestellbar, nicht online konfigurierbar
- Ersatzteile und Zubehör ausschließlich über Physiotherm
Clearlight kommt aus den USA und hat sich auf Vollspektrum-Infrarot spezialisiert. Die Sanctuary 2 kombiniert Nah-, Mittel- und Fern-Infrarot in einer Kabine und erreicht dadurch eine besonders intensive Tiefenwärme. Was mir auffiel: Ich habe deutlich mehr geschwitzt als in reinen Fern-Infrarot-Kabinen. Die Verarbeitung ist gut, wirkt aber nicht ganz so wertig wie bei Physiotherm. Für den Preis bekommst du allerdings die aktuell modernste Strahlertechnologie.
- Vollspektrum-Infrarot für maximale Tiefenwirkung
- Extrem niedriges EMF-Niveau (elektromagnetische Felder)
- Bluetooth-Soundsystem und Chromatherapie integriert
- Lebenslange Garantie auf die Heizstrahler
- Import aus den USA – Kundenservice nicht immer schnell
- Rotzedern-Holz hat intensiven Eigengeruch (nicht jedermanns Sache)
- Aufbau aufwändiger als bei europäischen Modellen
Finnische Saunen
Harvia ist die Marke, die in Finnland selbst am meisten verbaut wird – und das sagt einiges. Die Variant View kombiniert traditionelle finnische Saunakultur mit modernem Design: Die große Glasfront lässt viel Licht rein und nimmt dem Raum die Enge. Der mitgelieferte Harvia Vega Ofen heizt schnell auf und produziert angenehm weichen Dampf. Bei meinem Test hatte ich die Kabine in 22 Minuten auf 85 °C – Rekord im Vergleich.
- Authentisches finnisches Saunaerlebnis
- Schnelle Aufheizzeit dank Harvia Vega Ofen
- Große Glasfront für offenes Raumgefühl
- Solide Verarbeitung, echtes Made in Finland
- Anleitung könnte ausführlicher sein
- Glasfront beschlägt von außen schnell
- Ofen-Steuerung etwas altmodisch (kein Display)
Die Karibu Norin ist mein Tipp für alle, die eine solide finnische Sauna wollen, ohne ein Vermögen auszugeben. Die 40-mm-Massivholzwände aus nordischer Fichte sind ordentlich verarbeitet, und der Aufbau ist auch für handwerklich Durchschnittliche gut machbar. Was mir besonders gefallen hat: Die Wärmeverteilung ist für den Preis überraschend gleichmäßig. Klar, an eine Harvia kommt sie im Detail nicht ran, aber das erwarte ich bei dem Preisunterschied auch nicht.
- Attraktiver Preis für eine Massivholzsauna
- Unkomplizierter Aufbau mit guter Anleitung
- 40-mm-Massivholz für gute Wärmespeicherung
- Große Modellvielfalt und Zubehörauswahl bei Karibu
- Saunaofen nicht im Lieferumfang
- Holz kann anfangs etwas harzen
- Bänke sollten für mehr Komfort auf Abachi-Holz aufgerüstet werden
Gesundheitsvergleich: Infrarot vs. Finnisch
Beide Saunatypen haben nachgewiesene gesundheitliche Vorteile, aber sie wirken auf unterschiedliche Weise.
Finnische Sauna: Gesundheitliche Vorteile
- Herz-Kreislauf-Training: Die hohen Temperaturen bringen den Kreislauf in Schwung. Eine finnische Studie mit über 2.300 Teilnehmern zeigte, dass regelmäßige Saunagänger (4–7 Mal pro Woche) ein deutlich geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten.
- Immunsystem: Regelmäßiges Saunieren stärkt die Abwehrkräfte. Wer im Winter 1–2 Mal pro Woche in die Sauna geht, erkältet sich seltener.
- Muskelentspannung: Die intensive Hitze lockert verspannte Muskulatur und beschleunigt die Regeneration nach dem Sport.
- Stressabbau: Der Wechsel zwischen Hitze und Abkühlung reguliert das vegetative Nervensystem und reduziert Stresshormone.
Infrarotkabine: Gesundheitliche Vorteile
- Schmerzlinderung: Infrarotwärme dringt tiefer ins Gewebe ein und kann bei chronischen Schmerzen wie Arthrose, Rückenschmerzen oder Fibromyalgie helfen. Physiotherm hat hierzu klinische Studien durchführen lassen.
- Entgiftung: Beim Infrarot-Schwitzen scheidet der Körper nachweislich mehr Schwermetalle und Umweltgifte aus als beim normalen Schwitzen.
- Hautbild: Die verbesserte Durchblutung der Haut kann bei Akne, Neurodermitis und allgemeiner Hautalterung positive Effekte haben.
- Gelenkfreundlich: Durch die niedrige Lufttemperatur wird der Kreislauf weniger belastet. Das macht die Infrarotkabine interessant für Menschen mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Einschränkungen (nach Rücksprache mit dem Arzt).
Meine persönliche Erfahrung: Ich nutze die finnische Sauna nach dem Sport zur Regeneration und die Infrarotkabine an stressigen Tagen zur Entspannung. Das sind für mich zwei komplett unterschiedliche Anwendungsbereiche, und wenn der Platz und das Budget es zulassen, lohnt sich tatsächlich beides.
Produktvergleich auf einen Blick
| Modell | Typ | Leistung | Personen | Holzart | Preis ca. |
|---|---|---|---|---|---|
| Physiotherm MyInfra Duo ★ | Infrarot | 1,6 kW | 2 | Zirbe | 4.590 € |
| Clearlight Sanctuary 2 | Infrarot | 2,4 kW | 2 | Rotzeder | 3.890 € |
| Harvia Variant View ★ | Finnisch | 8 kW | 2–3 | Fichte / Espe | 3.290 € |
| Karibu Norin | Finnisch | 9 kW | 3–4 | Nordische Fichte | 2.149 € |
Wann lohnt sich welche Variante?
Greif zur Infrarotkabine, wenn du…
- …wenig Platz hast (ab 1 m² reicht schon)
- …keinen Starkstromanschluss legen lassen willst
- …unter chronischen Schmerzen oder Muskelverspannungen leidest
- …niedrigere Temperaturen bevorzugst oder Kreislaufprobleme hast
- …die Sauna spontan nutzen willst (Aufheizzeit nur 5–10 Minuten)
- …die Stromkosten niedrig halten möchtest
Greif zur finnischen Sauna, wenn du…
- …das klassische Saunaerlebnis mit Aufguss liebst
- …die Sauna als soziales Erlebnis mit Familie oder Freunden nutzt
- …nach dem Sport intensiv regenerieren willst
- …den Wechsel zwischen extremer Hitze und kalter Dusche schätzt
- …genug Platz im Keller oder Garten hast
- …das traditionelle Ritual mit Saunasteinaufguss nicht missen willst
Mein Fazit
Es gibt kein „besser“ oder „schlechter“ – Infrarotkabine und finnische Sauna sind schlicht unterschiedliche Wellness-Erlebnisse. Wenn ich mich für nur eines entscheiden müsste, würde ich zur finnischen Sauna greifen, weil mir das Aufguss-Ritual und die intensive Hitze einfach mehr geben. Aber ich verstehe jeden, der die sanftere, unkompliziertere Infrarotvariante bevorzugt.
Beim Kauf empfehle ich: Physiotherm MyInfra Duo, wenn du bei Infrarot keine Kompromisse machen willst. Harvia Variant View, wenn du eine authentische finnische Sauna suchst. Und die Karibu Norin, wenn du solide Qualität zum fairen Preis willst.
Häufige Fragen
Nein, Aufgüsse sind in Infrarotkabinen nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Infrarotkabinen haben keinen Saunaofen und keine Saunasteine. Die Wärme entsteht durch Infrarotstrahler, nicht durch erhitzte Luft. Wenn dir der Aufguss am Herzen liegt, brauchst du eine finnische Sauna. Es gibt allerdings Kombi-Kabinen, die sowohl Infrarotstrahler als auch einen kleinen Saunaofen haben – diese bieten eine Art Hybrid-Lösung, sind aber Kompromisse in beide Richtungen.
Weder noch – beide haben unterschiedliche Stärken. Die Infrarotkabine eignet sich besser bei chronischen Schmerzen, Muskelverspannungen und für Menschen mit Kreislaufproblemen, weil die Belastung geringer ist. Die finnische Sauna hat stärkere positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem. Beide reduzieren Stress und fördern die Entspannung. Am besten besprichst du mit deinem Arzt, welche Variante für dich sinnvoller ist, besonders wenn gesundheitliche Einschränkungen vorliegen.
Die Infrarotkabine ist deutlich günstiger im Betrieb. Eine 30-minütige IR-Sitzung verbraucht etwa 0,8–1,5 kWh, was bei 30 Cent/kWh rund 25–45 Cent kostet. Eine finnische Sauna verbraucht für eine zweistündige Session (inkl. Aufheizzeit) 12–16 kWh, also 3,60–4,80 €. Auf Jahressicht macht das bei 2 Nutzungen pro Woche etwa 25–45 € für die Infrarotkabine und 375–500 € für die finnische Sauna. Allerdings nutzt man die finnische Sauna oft kürzer pro Einzelgang.
Theoretisch ja, praktisch solltest du ein paar Dinge beachten. Die Infrarotkabine braucht nur eine normale 230-V-Steckdose und produziert wenig Feuchtigkeit, was sie grundsätzlich für Wohnräume geeignet macht. Allerdings sollte der Raum gut belüftet sein, und du brauchst mindestens 10 cm Abstand zu Wänden und Möbeln. Die Kabine produziert auch Wärme, die den Raum aufheizt. Im Winter ein netter Nebeneffekt, im Sommer eher nicht. Achte außerdem auf einen tragfähigen Boden – eine Kabine für 2 Personen wiegt schnell 150–200 kg.