Pflege & Wartung

Saunaholz pflegen: Ölen, schleifen oder behandeln?

Die Frage nach der richtigen Holzpflege für die Sauna spaltet die Sauna-Community wie kaum ein anderes Thema. Die einen schwören auf Paraffinöl, die anderen auf Sauna-Wachs, und wieder andere sagen: Am besten gar nichts draufmachen. Nach zehn Jahren eigener Saunaerfahrung und zahlreichen Gesprächen mit Saunabauern habe ich eine klare Meinung – die ich hier mit dir teile.

Vorweg die wichtigste Regel: Saunaholz ist bewusst unbehandelt. Das hat gute Gründe. Beschichtungen, Lacke und die meisten Öle dünsten bei Saunatemperaturen Schadstoffe aus, die du dann einatmest. Deshalb ist die richtige Frage nicht „Was kommt drauf?“, sondern „Was ist wirklich nötig – und was schadet?“

Holzarten und ihre Pflegebedürfnisse

Nordische Fichte

Die am häufigsten verwendete Holzart für Heimsaunen. Fichte ist robust, günstig und duftet angenehm nach Wald. Nachteil: Sie kann anfangs harzen und dunkelt mit der Zeit nach. Pflege: Regelmäßig abwischen, bei Bedarf leicht abschleifen. Paraffinöl auf stark beanspruchten Bänken ist optional.

Hemlock-Tanne

Beliebt bei Premium-Herstellern wie Klafs und Tylö. Hemlock ist harzfrei, allergikerfreundlich und hat eine gleichmäßige, helle Maserung. Sie dunkelt weniger nach als Fichte. Pflege: Sehr pflegeleicht, selten Abschleifen nötig. Im Normalfall reicht feuchtes Abwischen.

Espe / Thermoespe

Espe wird oft für Bänke verwendet, weil sie sich weniger aufheizt als andere Holzarten. Thermoespe ist wärmebehandelt und dadurch dunkler und formstabiler. Pflege: Thermoespe ist extrem pflegeleicht und nahezu wartungsfrei. Normale Espe profitiert von gelegentlichem leichtem Schleifen.

Zirbenholz

Zirbe wird vor allem in österreichischen Saunen und Infrarotkabinen verwendet. Das Holz duftet intensiv und enthält natürliche ätherische Öle, die beruhigend wirken sollen. Pflege: Nicht ölen oder behandeln – das würde den natürlichen Duft überdecken. Gelegentlich abschleifen genügt. Mehr zu den unterschiedlichen Eigenschaften dieser und weiterer Holzarten findest du in unserem Saunaholz Vergleich.

Schleifen: Die effektivste Pflegemethode

Schleifen ist die mit Abstand beste Methode, um Saunaholz aufzufrischen. Es entfernt Verfärbungen, Schweißrückstände und raue Stellen, ohne Chemie ins Holz zu bringen.

So schleifst du richtig

  1. Verwende feines Schleifpapier, Korn 120 für die Grundbearbeitung, Korn 180 für den Feinschliff.
  2. Immer in Faserrichtung des Holzes schleifen – nie quer!
  3. Gleichmäßig über die gesamte Fläche arbeiten, nicht nur die fleckigen Stellen. Sonst entstehen sichtbare Farbunterschiede.
  4. Schleifstaub gründlich absaugen und die Fläche mit einem leicht feuchten Tuch abwischen.
  5. Erst nach vollständigem Trocknen die Sauna wieder benutzen.
Tipp: Ein Handschleifklotz mit eingespanntem Schleifpapier ist besser als ein Schwingschleifer. Der Handklotz gibt dir mehr Kontrolle und verhindert, dass du zu viel Material abträgst. Für Bänke reicht ein Schleifgang pro Jahr, für Wände alle 2–3 Jahre.

Paraffinöl: Wann es Sinn macht

Paraffinöl (medizinisches Weißöl) ist das einzige Öl, das ich für Saunaholz empfehle. Es ist geruchs- und geschmacksneutral, dünstet keine Schadstoffe aus und schützt das Holz vor dem Eindringen von Schweiß und Schmutz.

Anwendung

  1. Holz vorher leicht abschleifen (Korn 180) und Staub entfernen.
  2. Paraffinöl dünn mit einem Tuch auftragen – weniger ist mehr.
  3. Überschüssiges Öl nach 15–20 Minuten mit einem sauberen Tuch abwischen.
  4. Mindestens 24 Stunden trocknen lassen, bevor die Sauna benutzt wird.

Ich öle nur die Sitzflächen der Bänke, nicht die Wände oder die Decke. Dort ist die Beanspruchung geringer und Öl unnötig.

Sauna-Wachs: Die Alternative

Einige Hersteller bieten spezielles Sauna-Wachs an (z.B. Harvia Sauna Wax). Es bildet eine dünne Schutzschicht auf dem Holz, die Feuchtigkeit und Schmutz abweist. Der Vorteil gegenüber Öl: Das Wachs dringt nicht so tief ein und kann leichter wieder entfernt werden. Die Anwendung ist ähnlich wie beim Öl: dünn auftragen, einwirken lassen, polieren.

Was du auf KEINEN Fall tun solltest

Finger weg von diesen Behandlungen:
  • Lack oder Lasur: Absolut tabu! Lack versiegelt das Holz, dünstet bei Saunatemperaturen giftige Dämpfe aus und blättert ab. Habe ich bei einem Bekannten gesehen – die Sauna war danach unbrauchbar.
  • Holzschutzöl (Leinöl, Teaköl): Duften bei Raumtemperatur angenehm, stinken bei 80–100 °C unerträglich und können gesundheitsschädlich sein.
  • Holzbeize: Verändert die Farbe, dringt tief ein und dünstet bei Hitze aus.
  • Normales Speiseöl: Wird ranzig und stinkt nach wenigen Saunagängen.
  • Anti-Schimmel-Spray: Enthält Biozide, die du bei 90 °C nicht einatmen willst.

Empfohlene Pflegemittel

Produkt Anwendung Intervall Preis ca.
Paraffinöl (z.B. Caparol Saunaöl) Bankflächen einreiben 1–2x pro Jahr 12–18 € / 500 ml
Harvia Sauna Wax Bänke und Holzflächen 1x pro Jahr 15–22 € / 250 ml
Schleifpapier Korn 120 + 180 Bänke und Wände abschleifen Bänke: jährlich, Wände: 2–3 Jahre 3–5 € / Set
Sauna-Reiniger (Sentiotec/Harvia) Regelmäßige Reinigung Wöchentlich 10–15 € / 500 ml

Mein Fazit

Weniger ist mehr – das gilt bei der Saunaholzpflege besonders. Meine Empfehlung: Regelmäßig feucht abwischen (nach jeder Nutzung), einmal pro Jahr die Bänke leicht abschleifen, und optional Paraffinöl oder Sauna-Wachs auf die Bankflächen auftragen. Alles andere ist überflüssig oder sogar schädlich. Lass die Finger von Lack, Lasur und normalen Holzölen – deine Gesundheit und dein Saunaholz werden es dir danken. Mehr zur allgemeinen Pflege findest du in meinem Ratgeber zur Saunareinigung. Wenn du gerade erst mit dem Gedanken spielst, dir eine eigene Sauna anzuschaffen, hilft dir vielleicht auch unser Vergleich zwischen Infrarotkabine und finnischer Sauna oder unser Überblick über preiswerte Heimsaunen unter 2.000 Euro bei der Entscheidung. Für die optimale Ausstattung lohnt sich außerdem ein Blick auf unser empfohlenes Sauna-Zubehör.

Häufige Fragen

Nein, es ist nicht zwingend nötig. Viele Sauna-Experten empfehlen, das Holz komplett unbehandelt zu lassen. Wer die Bänke schützen möchte, kann Paraffinöl oder Sauna-Wachs verwenden – das sind die einzigen Produkte, die für Saunatemperaturen geeignet sind. Auf keinen Fall normales Holzöl oder Lack verwenden.

Die Bankflächen einmal pro Jahr leicht mit Korn 120–180 abschleifen reicht bei normaler Nutzung völlig aus. Wände müssen nur alle 2–3 Jahre geschliffen werden, da sie weniger beansprucht werden. Nach dem Schleifen die Späne absaugen und feucht nachwischen.

Nein! Leinöl und andere trocknende Öle dünsten bei Saunatemperaturen unangenehme und potenziell gesundheitsschädliche Dämpfe aus. Das Gleiche gilt für Tungöl, Teaköl und andere Holzpflegeöle. Verwende ausschließlich Paraffinöl (medizinisches Weißöl), das geruchs- und geschmacksneutral ist und keine Schadstoffe abgibt.

Frische Harzflecken lassen sich am besten entfernen, wenn das Holz warm ist: ein Tuch mit etwas Paraffinöl oder Waschbenzin auf den Fleck legen und vorsichtig abreiben. Eingetrocknetes Harz kann mit einem Stechbeitel oder Cuttermesser vorsichtig abgehoben werden. Danach die Stelle leicht abschleifen. Harzen ist bei Fichtenholz in den ersten Monaten normal und lässt mit der Zeit nach.